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Uwe Friedrichsen – Wikipedia

Uwe Friedrichsen

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Uwe Friedrichsen (2010)

Uwe Friedrichsen (* 27. Mai 1934 in Altona, jetzt Hamburg, † 30. April 2016 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler, Hörbuch– und Synchronsprecher.

Leben

Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei einer Hamburger Porzellanfirma. In der Laienspielgruppe der Hamburger Volkshochschule fand er Gefallen an der Schauspielerei. Gegen den Willen der Eltern begann er mit einer privaten Schauspielausbildung, die er sich als Hafenarbeiter und Zeitungsjunge finanzierte. 1953 gründete er zusammen mit Marcus Scholz und anderen das theater 53.

Hier spielte er drei Jahre lang bei der Aufführung von adaptierten Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert oder Ernest Hemingway. Nachdem Ida Ehre auf ihn aufmerksam geworden war, wurde er 1956 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg unter Gustaf Gründgens verpflichtet. Bis 1968 gehörte er zu dessen Ensemble, während er bei vielen anderen Theatern gastierte. Danach wirkte er als freier Schauspieler.

Der Bühnenschauspieler Friedrichsen spielte bereits als Mittzwanziger in der legendären Verfilmung der Faust-Inszenierung von Gründgens den „Schüler“. Seine ersten Kinorollen spielte er in den Filmen Lemkes sel. Witwe (1957) und kurz danach in Unser Haus in Kamerun (1961) (beide mit der Musik von Martin Böttcher). Er trat auch in einem Edgar-Wallace-Film Der Gorilla von Soho (1968) als Sergeant Jim Pepper auf, war danach überwiegend in Fernsehproduktionen zu sehen, durch die er einem größeren Publikum bekannt wurde, wie John Klings Abenteuer (1965) (neben Hellmut Lange), Stadt ohne Sheriff, Elefantenjunge (1973) und in der Sesamstraße (von 1979 bis 1981 als Uwe).

Große Anerkennung erntete Friedrichsen mit seiner Fernsehrolle des Zollfahnders Zaluskowski in 18 Filmen der Krimiserie Schwarz Rot Gold Anfang der 1980er Jahre, die immer auch gesellschaftskritische Themen behandelten.

Außerdem verkörperte er an der Seite von Andreas Schmidt-Schaller den Bürgermeister Hinrich Oppen in der Serie Oppen und Ehrlich. Die Serie, die das Leben zweier ungleicher Halbbrüder, des Bürgermeisters Hinrich Oppen und des Fabrikanten Ottwin Ehrlich zeigte, spielte im Sauerland zu Beginn der 1990er Jahre. Neben der Schauspielerei war Friedrichsen auch ein gesuchter Hörbuch- und Synchronsprecher. Bereits 1964 sprach er den Titelbösewicht „Der Schut“ im gleichnamigen Hörspiel in der Inszenierung von Joseph Offenbach, der dabei auch den Hadschi Halef Omar sprach, neben Charles Brauer als Kara Ben Nemsi. Er lieh unter anderem Ringo Starr (in „Die Beatles: Yellow Submarine“, 1968), Jon Voight (in Asphalt-Cowboy, 1969), Bruce Dern (in Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe, 1969), Michael York (in Die vier Musketiere, 1974), Donald Sutherland (inMASH, 1970), Danny Glover (Lethal Weapon 1–4, 1987–1998) und nicht zuletzt Peter Falk als Lieutenant Columbo 1969 seine markante deutsche Stimme. In der Hörspielreihe Die drei Fragezeichen sprach er eine Rolle in der Folge Das brennende Schwert (1997). In der Hörspielausgabe derPerry-Rhodan-Serie, erschienen bei Europa, lieh er dem Serienhelden Perry Rhodan seine Stimme (1983).

Hauptaugenmerk seiner beruflichen Tätigkeit blieb dennoch weiterhin die Bühne. So ist er über Gastauftritte in den diversen Krimiserien und über die Rolle des Zollfahnders Zaluskowski hinaus vor allem durch bemerkenswerte Auftritte in Theaterverfilmungen in Erinnerung. Einige Jahre hatte er einen festen Platz im Ensemble des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg. In der Spielzeit 2005/2006 spielte er im Theater im Rathaus Essen.

Zudem war Uwe Friedrichsen ein großer Verfechter der plattdeutschen Sprache, die er als kleiner Junge bei seinen Großeltern erlernte.[1]

Uwe Friedrichsen war seit 1991 Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg.

Im Dezember 2006 war er in einigen Folgen der ARD-Vorabendsoap Verbotene Liebe als guter Weihnachtsengel zu sehen. 2007 spielte er in Sat.1-Produktion Hilfe! Hochzeit! – Die schlimmste Woche meines Lebens.

Im Jahr 2011 war Uwe Friedrichsen ehrenamtlich als „Bootschafter“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) tätig und warb für diese unabhängige und ausschließlich aus Spenden finanzierte, gemeinnützige Organisation.

Am 6. Dezember 2013 wurde Uwe Friedrichsen zum Ehrenmitglied der Hamburger Volksbühne ernannt.[2]

Uwe Friedrichsen hatte drei nichteheliche Kinder aus früheren Beziehungen. 1988 heiratete er die Schweizer Schauspielerin Nathalie Emery, mit der er eine Tochter hatte.[3] Er lebte zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau in Seevetal bei Hamburg.[4]

Filmografie

Schauspieler Heide Keller, Patrick Mölleken und Uwe Friedrichsen bei Dreharbeiten zur Traumschiff-Folge „San Francisco“ 2007

Hörspiele

Hörbücher (Auswahl)

Literatur

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sebastian Theby: Mit Liebe zum Platt – Uwe Friedrichsen. ndr.de, 27. Mai 2014, abgerufen am 2. Mai 2016.
  2. Uwe Friedrichsen zum Ehrenmitglied ernannt. [[Hamburger Volksbühne|Magazin „inkultur“ 64/5, Januar 2014, abgerufen am 2. Mai 2016.
  3. Uwe Friedrichsen. Prisma Online, abgerufen am 2. Mai 2016.
  4. Deutscher TV-Star: Von „Faust“ bis „Tatort“: Uwe Friedrichsen wird 80. T-Online.de, 26. Mai 2014, abgerufen am 2. Mai 2016.
  5. Uwe Friedrichsen In: Hersfeld-Preis,
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Agglutinine – Wikipedia

Agglutinine

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In der Medizin verwendet man Agglutinine (von lateinisch: agglutinare „anheften“) als Oberbegriff für Proteine, die mit Zellen oder auch korpuskulären Elementen verklumpen (Agglutination) und daher Aggregate bilden. Der Begriff Hämagglutinine wird aus historischen Gründen teilweisesynonym gebraucht, jedoch beschreibt er ausschließlich die Verklumpung von Proteinen mit roten Blutkörperchen (Hämagglutination). Im Gegensatz zur Agglutination von Agglutininen und Zellen bezeichnet eine Proteinaggregation die Verklumpung von Proteinen, eine Präzipitation beschreibt die Verklumpung bei Antikörpern. Agglutinine können mit Agglutinationstests bestimmt werden, z. B. in einer Gruber-Widal-Reaktion.

Spezifische Agglutine sind:

Geschichte

Die Agglutination wurde 1896 von Herbert Edward Durham und Max von Gruber entdeckt und als Gruber-Durham-Reaktion bezeichnet. Diese bekam im selben Jahr mit der Gruber-Widal-Reaktion eine praktische Anwendung in der medizinischen Diagnostik, nachdem Fernand Widal die Verklumpung der Seren von Typhus-Erkrankten bei Zugabe von Kulturen des Typhus-Erregers entdeckte. Im Jahr 1900 entdeckte Karl Landsteiner die Hämagglutination bei Blutmischungen unterschiedlicher Blutgruppen, die zur Aufklärung des AB0-Systems führte.

Literatur

Weblinks

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Claude Cahun – Wikipedia

Claude Cahun

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Claude Cahun (* 25. Oktober 1894 in Nantes, Frankreich mit dem bürgerlichen Namen Lucy Schwob; † 8. Dezember 1954 in Saint Helier auf Jersey) war eine Schriftstellerin und Fotografin, die gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Suzanne Malherbe (* 19. Juli 1892 in Nantes; † 1972 auf Jersey) im Paris der 1920er und 1930er Jahre einen Künstlersalon unterhielt. Ihr Werk wird dem Surrealismus zugeordnet.

Als Tochter der wohlsituierten, jüdischen Intellektuellenfamilie Schwob genoss Claude Cahun eine gute Ausbildung, und es war ihr schon frühzeitig möglich, in Zeitschriften Texte zu veröffentlichen und sich künstlerisch zu betätigen. Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester und Lebensgefährtin Suzanne Malherbe betrieb sie 15 Jahre lang einen Künstlersalon in Paris. Sie photographierte, collagierte, spielte in surrealistischen Theaterstücken mit, schrieb und verkehrte im Kreis der Surrealisten um André Breton. In ihren Schriften und mittels ihres photographischen Schaffens wandte sie sich als Kommunistin gegen den Faschismus und focht zeitlebens für die Freiheit des Denkens und die Emanzipation des Individuums. Ab 1937 flüchteten Claude Cahun und Suzanne Malherbe vor den Nazis auf die Kanalinsel Jersey. Nach der Besetzung Jerseys durch die Wehrmacht engagierten sie sich weiter antifaschistisch und wurden schließlich 1944 zum Tode verurteilt. 1945 wurden beide begnadigt, doch während der 10-monatigen Haft hatte die Gestapo ihr Landhaus geplündert und einen großen Teil ihres Werkes zerstört.

Biographie

Lucy Schwob

Am 25. Oktober 1894 wurde Lucy Renée Mathilde Schwob in Nantes geboren. Da man ihre Mutter Victorine Courbebaisse kurz darauf in eine psychiatrische Klinik einwies, wohnte Lucy die meiste Zeit bei ihrer Großmutter Mathilde Schwob. Die Familie Schwob war eine Intellektuellenfamilie mit jüdischem Hintergrund, und Mathilde Schwobs Söhne waren gesellschaftlich und kulturell engagiert: Lucys Vater Maurice Schwob (1859–1928) war Herausgeber des Phare de la Loire, einer größeren Regionalzeitschrift, und veröffentlichte diverse Schriften über Ökonomie und Politik. Lucys Onkel Marcel Schwob (1867–1905) war Mitbegründer der Zeitschrift Mercure de France und eine der Schlüsselfiguren des literarischen Symbolismus in Frankreich. 1907 wurde Lucy auf Grund antisemitischer Stimmung, hervorgerufen durch die Revision des Dreyfus-Prozesses, für zwei Schuljahre an die Parson’s Mead School in Surrey (England) geschickt, dann kehrte sie nach Frankreich an das Lyzeum in Nantes zurück. Um 1909 lernte ihr Vater seine zweite Frau Marie Eugénie Malherbe kennen. Deren Tochter Suzanne Malherbe und Lucy begannen einen Briefwechsel.

Claude Cahun und Marcel Moore

Ab 1920 nannte sich Lucy Schwob endgültig Claude Cahun. Sie verwendete diesen Namen (eine Verehrung ihres Großonkels David Léon Cahun) bereits seit 1918 für ihre Texte im Phare de la Loire, Mercure de France und La Gerbe. Die erste Veröffentlichung, Vues et Vision 1914 im Mercure de France unterzeichnete sie mit Claude Courlis, in La Gerbe trat sie bis 1920 auch als Daniel Douglas auf.

Angeregt zum Spiel mit dem Namen wurde sie wahrscheinlich von Suzanne, die schon frühzeitig (1913) ihr Pseudonym Marcel Moore etabliert hatte. Suzanne Malherbe war Graphikerin und Künstlerin. Sie zeichnete u.a. für Modezeitschriften, portraitierte den Freundeskreis und illustrierte Cahuns Bücher.

In der Fachliteratur wird Suzanne Malherbe heute vorrangig unter ihrem Geburtsnamen, nicht unter ihrem Pseudonym Marcel Moore, geführt, während Lucy Schwob durchgängig mit Claude Cahun bezeichnet wird.

Suzanne, Paris, le Surrealisme

1917 quartierten sich Claude Cahun und Suzanne Malherbe in einer Wohnung über dem Phare de la Loire in Nantes ein. Sie verbrachten zunehmend Zeit in Paris, wo Claude Cahun an der Sorbonne Philosophie und Philologie studierte, und mieteten sich dort 1920 ein Appartement in der Rue de Grenelle, bis sie schließlich 1922 ihr Atelier in der Rue Notre-Dames-des-Champs am Montparnasse einrichteten, welches zu einem gut besuchten Treffpunkt avancierte.

Neben dem Schreiben intensivierte Claude Cahun ihre photographischen Aktivitäten. Suzanne Malherbe assistierte ihr dabei, fertigte z.B. nach Cahuns Vorschlägen Photomontagen für den 240-seitigen, autobiographischen Essay Aveux non avenus an, der nach 10-jähriger Arbeit 1930 bei Editions de Carrefour, Paris erschien. 1929 beteiligte sich Claude Cahun als Masken- und Kostümbildnerin und als Schauspielerin in Pierre Albert-Birots Théâtre de recherches dramatique: Le Plateau, einem nur kurzzeitig bestehenden surrealistischen Ensemble, welches eigene Experimentalstücke inszenierte. Nachdem sie sich erneut den Schädel kahlrasiert hatte, entstand das einzige veröffentlichte Selbstportrait Cahuns (Katalognummer 70 in [1]).

Im Jahr 1932 unternahm Claude Cahun einen kurzen Ausflug in die Association des Écrivains et Artistes Révolutionnaires (die französische Sektion der von der Komintern initiierten Organisation Internationale Vereinigung revolutionärer Schriftsteller), also eine Gruppe kommunistischer Künstler und Schriftsteller, der u. a. André Breton angehörte. Als 1933 die Surrealisten und Breton aus der Vereinigung ausgeschlossen wurden, trat auch Cahun wieder aus und veröffentlichte Les Paris sont ouverts (dt.: Die Wetten sind eröffnet), eine Streitschrift, in der sie die Kulturpolitik der Komintern im Allgemeinen und die Louis Aragons im Speziellen kritisierte. Auf der Suche nach anderen, künstlerischen Widerstandsformen gegen den erstarkenden Faschismus einerseits und gegen die innerfranzösische Politik andererseits [Die Volksfrontpolitik Léon Blums empfand man als zu nationalistisch und von überkommener bürgerlicher Moral geprägt.], wurde sie 1935 mit Breton, Georges Bataille und anderen Gründungsmitglied der Vereinigung Contre-Attaque, eines Bündnisses linker Intellektueller, die sich bis zur Auflösung der Gruppe 1936 in ihren Flugschriften und Manifesten äußerst radikal und revolutionär artikulierten.

1937 kaufte Claude Cahun das Landgut La Rocquaise auf der Kanalinsel Jersey.

La Rocquaise, la Resistance

Plakette am Landhaus La Rocquaise

La Rocquaise befindet sich am St. Brelade’s Bay, nahe der Kirche von St. Brelade, Jersey. Claude Cahun verbrachte bereits seit 1915 jährliche Ferien im St. Brelade’s Bay Hotel, einige Photographien aus dieser Zeit mit Treibgutassemblagen auf dem Sand vom Strand von St. Brelade sind erhalten geblieben.

Cahun und Malherbe hielten ihre Kontakte mit den Freunden in Paris aufrecht. Cahun wurde Mitglied in der Fédération Internationale de l’Art Indépendant (1938), deren Manifest mit ihren in Les Paris sont ouverts umrissenen Standpunkten korrespondierte.

Grab von Lucy Schwob und Suzanne Malherbe auf dem Friedhof von St. Brelade’s Church, Jersey

Am 1. Juli 1940 marschierten die Deutschen auf Jersey ein (siehe Zweiter Weltkrieg). Vom ersten Tag an schrieben Suzanne Malherbe und Claude Cahun Flugblätter, gestalteten Plakate und Photomontagen, bereiteten Widerstandsaktionen vor. Suzanne Malherbes sehr gute Deutsch-Kenntnisse nutzten sie, um Flugblätter mit Desertationsaufrufen zu verfassen. Sie richteten sich aber wie schon in Paris nicht nur gegen die deutschen Soldaten, sondern auch gegen die „feigen Bürokraten“ (aus einem Flugblatt) im eigenen Land. Sie unterzeichneten die massenhaft mit Schreibmaschine getippten Flugblätter z.B. mit „Die Soldaten ohne Namen“, hefteten sie an Polizeiwagen und, da der Kirchgarten von St. Brelade während der Besatzung als Militärfriedhof genutzt wurde, an die Autos der Deutschen, die während der Beerdigungen dort parkten. An der Kirche brachten sie ein Plakat an mit der Aufschrift „Jesus ist groß, aber Hitler ist größer. Jesus starb für die Menschen, doch die Menschen sterben für Hitler.“ (zitiert nach Leperlier in [1]). Die Flugblattbotschaften waren frei erfunden und verunsicherten die deutsche Besatzung wirkungsvoll.[1]

Im Juli 1944 wurden beide von der Gestapo verhaftet, im November 1944 wegen Truppenzersetzung zum Tode verurteilt, im Februar 1945 begnadigt und nach der Befreiung Jerseys im Mai 1945 aus der Haft entlassen. Während der 10-monatigen Haft durchsuchte die Gestapo mehrmals La Rocquaise, plünderte die Photoarchive und die Bibliothek. Viele Negative und Photographien wurden zerstört.

Nach dem Krieg nahm Claude Cahun weitere Selbstportraits auf und begann eine Autobiographie. Die Frauen planten eine Rückkehr nach Paris, doch auf Grund des schlechten Gesundheitszustands Claude Cahuns kam es nicht mehr dazu. Sie starb 1954 im Krankenhaus von St. Hélier. Suzanne Malherbe verkaufte La Rocquaise und lebte noch bis zu ihrem Tode 1972 auf Jersey.

Werk und Rezeption

Cahun als Schriftstellerin

Claude Cahun veröffentlichte viele Artikel in verschiedenen französischen Zeitschriften sowie die unten aufgeführten 3 Bücher. Von weiteren Büchern liegen Manuskript-Fragmente vor. Sie ist außerdem Autorin und Unterzeichnerin diverser Aufrufe, Traktate und Streitschriften aus dem Umfeld der Surrealisten.

Vues et Visions (dt.: Ansichten und Visionen). Zuerst 1914 im Mercure de France veröffentlicht, 1919 als 100-seitiges Bändchen mit Illustrationen von Suzanne Malherbe bei Éditions Georges Cres erschienen, gewidmet Marcel Moore. Jedes Kapitel besteht aus zwei kurzen Absätzen, zwei (gegensätzlichen) Varianten eines Gedankenspiels, eine in Le Croisic (Bretagne) angesiedelt, die andere in Rom, Athen, Paris …, angeordnet links und rechts auf den Doppelseiten, gerahmt von zwei ineinander greifenden, teils ornamentalen, teils figürlichen Graphiken von Suzanne Malherbe, die ebenfalls das Thema des Kapitels variieren.

Aveux non avenus (dt.: Nichtige Bekenntnisse) – Editions du Carrefour (1930) – Autobiographisches Werk, 1919–1928, Vorwort von Pierre Mac Orlan, ca. 240 Seiten, Gedichte, Notizen, Geschichten, Gespräche, Aphorismen, Photomontagen in Zusammenarbeit mit Suzanne Malherbe.

Le Cœur de Pic (1937) Gedichtband von Lise Deharme, 32 Kindergedichte illustriert mit 20 Photographien von Claude Cahun. Claude Cahun fertigte hierzu photographische Tableaux, also Szenen und Installationen mit Figuren, Gegenständen und Naturmaterialien an.

Cahun als Photographin

Von den Selbstportraits, die sie schuf, veröffentlichte sie nur eines, andere gingen in Photomontagen, Collagen und photographische Tableaux ein. Nachdem ihr photographisches Werk nach ihrem Tod vorerst in Vergessenheit geraten war, wird heute betont, dass Claude Cahun bezüglich der angewandten Techniken und auf Grund der vertretenen emanzipierten Positionen (z.B. ihre feministischen Auffassungen) ihrer Zeit weit voraus war.

Cahun in der Belletristik

Veröffentlichungen

(entnommen [1] (gekürzt), in [2] findet sich eine umfangreichere Bibliographie)

  • Vues et Visions (Pseudonym Claude Courlis), Mercure de France, Nr. 406, 16. Mai 1914
  • La ‚Salomé‘ d’Oscar Wilde. Le procés Billing et les 47000 pervertis du Livre noir, Mercure de France, Nr. 481, 1. Juli 1918
  • Le poteau frontière (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 3, Dezember 1918
  • Au plus beau des anges (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 3, Dezember 1918
  • Cigarettes (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 3, Dezember 1918
  • Aux Amis des livres, La Gerbe, Nr. 5, Februar 1919
  • La Sorbonne en fête (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 5, Februar 1919
  • La possession du Monde, par Georges Duhamel, La Gerbe, Nr. 7, April 1919
  • Les Gerbes (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 7, April 1919
  • L’amour aveugle (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 12, September 1919
  • La machine magique (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 12, September 1919
  • Mathilde Alanic. Les roses refleurissent, Le Phare de la Loire, 29. Juni 1919
  • Le théâtre de mademoiselle, par Mathias Morhardt, Le Phare de la Loire, 20. Juli 1919
  • Vues et Visions, mit Illustrationen von Marcel Moore, Paris: Georges Crès & Cie, 1919
  • Paraboles (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 17, Februar 1920
  • Une conférence de Georges Duhamel (Pseudonym Daniel Douglas), La Gerbe, Nr. 19, April 1920
  • Marcel Schwob, La Gerbe, Nr. 20, Mai 1920
  • Héroïnes: ‚Eve la trop crédule‘, ‚Dalila, femme entre les femmes‘, ‚La Sadique Judith‘, ‚Hélène la rebelle‘, ‚Sapho l’incomprise‘, ‚Marguerite, sœur incestueuse‘, ‚Salomé la sceptique‘, Mercure de France, Nr. 639, 1. Februar 1925
  • Héroïnes: ‚Sophie la symboliste‘, ‚la Belle‘, Le Journal littéraire, Nr. 45, 28. Februar 1925
  • Méditation de Mademoiselle Lucie Schwob, Philosophies, Nr. 5/6, März 1925
  • Récits de rêve, in der Sonderausgabe Les rêves, Le Disque vert, 3. Jg., Bd. 4, Nr. 2, 1925
  • Carnaval en chambre, La Ligne de cœur, Heft 4, März 1926
  • Ephémérides, Mercure de France, Nr. 685, 1. Januar 1927
  • Au Diable, Le Plateau, Nr. 2, Mai-Juni 1929
  • Ellis, Havelock: La Femme dans la société – I. L’Hygiene sociale, Sozialpsychologische Studien, übersetzt von Lucy Schwob, Mercure de France, 1929
  • Aveux non avenus, illustriert mit Photomontagen von Moore nach Ideen der Autorin, Paris: Editions du Carrefour, 30. Mai 1930
  • Frontière humaine, anamorphotisches Selbstportrait, Bifur, Nr. 5, April 1930
  • Protestez (AEAR), Feuille rouge, Nr. 2, März 1933
  • Contre le fascisme mais aussi contre l’impérialisme francais (AEAR), Feuille rouge, Nr. 4, Mai 1933
  • Les Paris sont ouvert, Paris: José Corti, Mai 1934
  • Union de lutte des intellectuels révolutionnaires, Contre-Attaque, 7. Oktober 1935
  • Prenez garde aux objets domestique, in der Sonderausgabe L’Objet, Cahiers d’Art I-II, 1936
  • Sous le feu des canons francais … et alliés, Contre-Attaque, März 1936
  • Dissolution de Contre-Attaque, L’Œuvre, 24. März 1936
  • Exposition surréaliste d’objets, Ausstellung in der Galerie Charles Ratton, Paris, 22.-29. Mai 1936, im Katalog aufgeführt: Claude Cahun Un air de famille und Souris valseuses
  • Il n’y a pas de liberté pour les ennemis de la liberté, 20. Juli 1936
  • Deharme, Lise: Le Cœur de Pic, 32 Kindergedichte, illustriert mit 20 Photographien von Claude Cahun (zwei weitere Photoarbeiten auf dem Schutzumschlag), Paris: José Cortis, 1937
  • Adhésion à la Fédération Internationale de l’Art Révolutionnaire Indépendant, Clé, Nr. 1, Januar 1939
  • À bas les lettres de cachets! À bas la terreur grise! (FIARI), Juni 1939

Literatur

  • [1] François Leperlier: Der innere Exotismus. In: Ander, Snauwaert (Hrsg.): Claude Cahun Bilder. Schirmer/Mosel, München 1997 # Katalog zur Ausstellung ClaudeCahun – Selbstdarstellungen (Kunstverein München), Abbildungen fast aller photographischen Werke (deutsch)
  • [2] François Leperlier (Hrsg.): Claude Cahun Écrits. Èditions Jean-Michel Place, Paris 2002 # Gesammelte Texte, einschließlich unterzeichnete Aufrufe und unveröffentlichte Schriften (französisch)
  • Archiv des Jersey Museum
  • Stephan Moebius: Contre-Attaque – Eine politische Initiative französischer Intellektueller in den 30er Jahren. In: Sozial.Geschichte Heft 2/ 18.Jahrgang/ Juni 2003

Weblinks

 Commons: Claude Cahun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ina Schabert (2012): Luder haben kurze Haare. Zur Symbolik abgeschnittener Locken. In: Rebellisch, verzweifelt, infam. das böse Mädchen als ästhetische Figur, herausgegeben von Renate Möhrmann und Nadja Urbani (Mitarbeit). Bielefeld : Aisthesis, 2012, ISBN 978-3-89528-875-3,Inhaltsverzeichnis, S. 155–170, Abschnitt „Bald and cool and cheerful“, S. 167–170.
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Balanstraße 23 (München) – Wikipedia

Balanstraße 23 (München)

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Haus Balanstraße 23 in München-Haidhausen

Das Haus Balanstraße 23 ist ein denkmalgeschütztes Mietshaus im Münchner Stadtteil Haidhausen.

Beschreibung

Der neubarocke Bau wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Über der breit abgeschrägten Ecke ist der Giebel mit Stuckdekor geschmückt.

Bilder

Literatur

  • Heinrich Habel, Helga Himen: München. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern – Regierungsbezirke. 3. verbesserte und erweiterte Auflage. Bd. I.1, R. Oldenbourg Verlag, München 1991, ISBN 3-486-52399-6.

Weblinks

 Commons: Balanstraße 23 (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 7′ 35″ N, 11° 35′ 43″ O

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Eva (Sängerin) – Wikipedia

Eva (Sängerin)

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Eva (* 27. Mai 1943 in Berlin als Eva Killutat) ist eine deutsche Chansonsängerin.

Karriere

Eva zog 1962 nach Paris, um dort zu studieren. Sie begeisterte sich für das französische Chanson und knüpfte erste Kontakte zu Musikern wie Georges Brassens. Bereits zwei Jahre später erschien ihr erstes Album Toi et moi. Hierfür übernahm sie Lieder von Künstlern wie Barbara, Anne Sylvestre, Robert Stolz und Georges Moustaki in ihr Repertoire, schrieb allerdings auch eigene Stücke. Mit Liebelei und Das Lied ist aus waren darüber hinaus zwei deutschsprachige Titel enthalten. Das Album war ein großer Erfolg in Frankreich. Auch das Nachfolgewerk Comme les blésenthielt zwei deutschsprachige Lieder, Frei und Weißt du, wie das ist?, aber auch Cover-Versionen von weltberühmten Songs wie Unchained Melody oder Where Have All The Flowers Gone. Eva konnte sich neben dem französischen Markt vor allen Dingen in Kanada etablieren.

In ihrer Heimat Deutschland war Eva kein größerer Erfolg vergönnt. Der Spiegel widmete ihr 1968 dennoch einen ausführlichen Artikel mit der Überschrift „Deutscher Aufschrei – Ein deutsches Evchen zieht immer mehr Franzosen zu sich hin“.[1] Auch das Hamburger Abendblatt berichtete 1973 über sie. Auf den Hinweis, dass sie in Deutschland zeitweise als Nachfolgerin der Sängerin Alexandra vermarktet wurde, die eine ähnlich dunkle, ausdrucksstarke Stimme besaß, entgegnete sie der Zeitung: „So geht das nicht. Ich habe lange gearbeitet, um mich als Persönlichkeit eigener Prägung durchzusetzen. In Frankreich wissen 50 Millionen Menschen wer ich bin, und hier soll ich in die Fußstapfen einer Kollegin treten. Das kommt gar nicht in Frage.“[2] Im gleichen Jahr erschien mit Alles wird einmal vorübergeh’n auch eine Single für den deutschen Markt.

Im Verlaufe der 1970er Jahre wurden die Veröffentlichungen von Eva immer unregelmäßiger. Zuletzt erschien 2005 das Album À Marlène mit Liedern der deutschen Filmlegende Marlene Dietrich.[3] Sie widmete sich außerdem der Malerei.[4]

Diskografie

Alben

  • 1964: Eva (aka Toi et moi) (Mercury)
  • 1965: Eva (aka Comme les blés) (Mercury, andere Veröffentlichungsjahre 1967 oder 1969)
  • 1968: Eva (aka Vois) (Mercury)
  • 1970: Ou s’en vont mourir les rêves (Barclay)
  • 1971: Le cœur battant (Barclay)
  • 1972: L’orage (Barclay)
  • 1976: Sous les sunlights (Philips)
  • 1984: Intérieurs (Saisons)
  • 1994: Vertiges (Artic)
  • 1997: Comme un Phénix (Intermede)
  • 2005: À Marlène (Artic)

Compilations

  • 196*: Le disque d’or (Mercury)
  • 1971: Plein feux sur Eva (Mercury)
  • 1973: La chanson française (Barclay)
  • 1978: Édition la chanson (Philips)
  • 1999: De Berlin à Paris (Rym Music)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Deutscher Aufschrei – Ein deutsches Evchen zieht immer mehr Franzosen zu sich hin. In: spiegel.de. 8. April 1968, abgerufen am 5. September 2015.
  2. … Eva (* 1943 als Eva Killutat). In: was-wurde-aus.at. Abgerufen am 5. September 2015.
  3. Jacques-Deric Rouault: Eva : Discographie commentée. In: jacquesderic.free.fr. 2012, abgerufen am 5. September 2015 (französisch).
  4. Josée Blanchette: Eva, l’attachante enchantée. In: ledevoir.com. 2. November 2007, abgerufen am 5. September 2015 (französisch).
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Spätquartäre Avifauna – Wikipedia

Spätquartäre Avifauna

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Moas werden von einem Haastadlerattackiert

Die Erforschung der spätquartären Avifauna ist eine Teildisziplin der Paläornithologie, die sich mit Vogeltaxa beschäftigt, die zwischen dem Jungpleistozän und dem Jahre 1500 (Beginn der Besiedelung Amerikas und der Welt durch die Europäer)ausgestorben sind. Ein weiterer Aspekt des Forschungsfeldes ist der Zwerg- bzw. Riesenwuchs von Vögeln, der Verlust der Flugfähigkeit und die Abstammungslinie von prähistorischen zu rezenten Taxa.

Führende Vertreter auf diesem Gebiet sind oder waren Trevor H. Worthy, Storrs Lovejoy Olson, Pierce Brodkorb, Jean-Christophe Balouet, David William Steadman, Anthony Cheke und Helen Frances James, deren Forschungsarbeit in den Höhlen undSedimentschichten Australiens, der Maskarenen, Hawaiis, Neuseelands, der Karibik, St. Helenas, Ascensions, Madagaskars, der Mittelmeer-Inseln, der Kanarischen Inseln, Melanesiens und Polynesiens unschätzbare Daten über die erloschene Avifaunadieser Regionen zu Tage förderte.

Einer der Pioniere der Paläornithologie war Richard Owen, der sich als erster mit der Untersuchung von Moa-Knochen beschäftigte.

In der Zeit des späten Quartärs (ab 40.000 v. Chr. bis 1500 n. Chr.) sind unzählige Vogelarten ausgestorben, die man heute nur von Knochenfunden aus Pleistozänablagerungen oder vermischten Pleistozän/Holozänablagerungen kennt und deren Alter man nur sehr schwierig mit Hilfe der Radiokohlenstoffdatierung oder DNA-Analysen feststellen kann. Bei manchen Inselformen vom Atlantik, der Karibik, dem Mittelmeer, dem indoaustralischen und pazifischen Bereich geht man bei einigen Arten sogar davon aus, dass sie bis kurz vor dem 16. Jahrhundert überlebt haben könnten.

Nach Überzeugung vieler Wissenschaftler ist vor allem der Mensch entweder direkt oder indirekt für das Aussterben vieler Vogelarten in dieser Zeit verantwortlich. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dies bei der ersten Besiedelung der Pazifik-Inseln vor 3500 Jahren, wo die endemische Vogelwelt Schaden durch Krankheitserreger, Überjagung, Eiersammeln, Lebensraumzerstörung oder die eingeschleppte Pazifische Ratte (Rattus exulans) nahm. Auch für Australien nehmen einige Wissenschaftler dies an[1][2], was jedoch in der Fachwelt äußerst umstritten ist (vgl. Quartäre Aussterbewelle).

Die folgende Übersicht listet Vogeltaxa auf, die zwischen 40.000 v. Chr. und 1500 n. Chr. ausgestorben sind:

Taxa

Struthioniformes

Die Gruppe beinhaltet die Laufvögel

AepyornithidaeElefantenvögel

  • Aepyornis
    • Aepyornis hildebrandti (Madagaskar)
    • Aepyornis maximus (Madagaskar)
    • Aepyornis medius (Madagaskar)
    • Aepyornis gracilis (Madagaskar)
Bis zu vier unbeschriebene Arten sind bekannt, aber ihre Taxonomie ist noch nicht vollständig gelöst. Wenigstens eine hat bis in historische Zeiten (nach 1500) überlebt
  • Mullerornis
    • Mullerornis agilis (Madagaskar)
    • Mullerornis betsilei (Madagaskar)
    • Mullerornis rudis (Madagaskar)

Skelett eines weiblichen Dinornis. Da die Weibchen wesentlich größer als die Männchen waren, wurden sie für eine eigene Art gehalten: Dinornis maximus

DinornithidaeMoa

  • Anomalopteryx
    • Anomalopteryx didiformis (Südinsel, Neuseeland)
  • Euryapteryx
    • Euryapteryx curtus (Nordinsel, Neuseeland)
    • Euryapteryx geranoides (Südinsel, Neuseeland)
  • Pachyornis
    • Pachyornis australis (Südinsel, Neuseeland)
    • Pachyornis elephantopus (Südinsel, Neuseeland)
    • Pachyornis mappini (Nordinsel, Neuseeland)
  • Dinornis
    • Dinornis novaezealandiae (Nordinsel, Neuseeland)
    • Dinornis robustus (Südinsel, Neuseeland)
  • Emeus
  • Megalapteryx
    • Megalapteryx benhami (Südinsel, Neuseeland)

Struthionidae – Strauße

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Asiatischer Strauß, Struthio asiaticus (Zentralasien und China)

Anseriformes

Diese Gruppe beinhaltet die modernen Enten und Gänse.

Dromornithidae – Die australischen Donnervögel oder mihirungs

Anatidae – Enten, Gänse und Schwäne

  • Cnemiornis – Neuseelandgänse
    • Südinsel-Riesengans Cnemiornis calcitrans (Südinsel, Neuseeland)
    • Cnemiornis gracilis (Nordinsel, Neuseeland)
  • Pachyanas
    • Chatham-Ente Pachyanas chathamica (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
  • Centrornis
    • Centrornis majori (Madagaskar)
  • Chelychelynechen Moa-Nalos
    • Chelychelynechen quassus (Kauaʻi, Hawaiʻi)
  • Ptaiochen Moa-Nalos
    • Ptaiochen pau (Maui, Hawaiʻi)
  • Thambetochen Moa-Nalos
    • Thambetochen chauliodous (Maui und Molokaʻi, Hawaiʻi)
    • Thambetochen xanion (Oʻahu, Hawaiʻi)
  • Chendytes
  • Talpanas
  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Dendrocygna sp. (Aitutaki, Cookinseln)
    • Nēnē-nui, Branta hylobadistes (Maui, Hawaiʻi)
    • Branta rhuax (Big Island, Hawaiʻi) (ehemals als Geochen rhuax beschrieben, eine unidentifizierte Riesen-Hawaiigans ?Branta sp. (Olson & James, 1991) von Big Island ist mit Branta rhuax synonymisiert worden)
    • Tadorna cf. variegata (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
    • aff. Tadorna sp. (Kauai, Hawaii)
    • Madagaskar-Gans Alopochen sirabensis (Madagaskar)
    • Malacorhynchus scarletti (Neuseeland)
    • Bermuda-Ente Anas pachyscelus (Bermuda-Inseln)
    • Anas cf. chlorotis (Macquarie, Südwestpazifik)
    • Anas sp. (Viti Levu)
    • Mergus cf. australis (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
    • Oxyura vantetsi (Nordinsel, Neuseeland)
    • Neuseeland-Lappenente Biziura delautouri (Neuseeland)
    • Anser aff. erythropus (Ibiza)
    • Neochen barbadiana (Barbados)
    • Cygnus falconeri (Malta)
    • Cygnus equitum (Sizilien und Malta)
  • Ausgestorbene Unterarten von noch existierenden Arten
    • Neuseelandschwan, Cygnus atratus sumnerensis (Neuseeland, ähnliche Knochen wurden auf den Chatham-Inseln gefunden)
    • Anas chlorotis ssp. nov. (Unterart der Neuseelandente von den Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Anatidae sp. et gen. indet. (Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Anatidae sp. et gen. indet. (Rota, Marianen)

Galliformes

Die Gruppe beinhaltet die modernen Hühnervögel und Erdwachteln

Sylviornithidae – Sylviornis

MegapodiidaeGroßfußhühner

Phasianidae – Fasane, Wachteln und Verwandte

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung

Charadriiformes

Diese Gruppe beinhaltet Möwen, Alkenvögel und Regenpfeiferartige

Laridae – Möwen

Charadriidae – Kiebitze und Regenpfeifer

Alcidae – Alkenvögel

Scolopacidae – Schnepfen und Strandläufer

Gruiformes

Diese Gruppe beinhaltet die modernen Rallen und Kranichvögel.

Rallidae – Rallen

  • Capellirallus
  • Vitirallus
    • Viti-Levu-Ralle, Vitirallus watlingi (Viti Levu, Fidschi)
  • Hovacrex
    • Hovacrex roberti (Madagaskar)
  • Nesotrochis
    • Nesotrochis debooyi von Puerto Rico und den Jungferninseln (Kleine Antillen), nur durch subfossile Knochenfunde bekannt. Im Deutschen wurde die Art irrtümlich als Carrao-Ralle bezeichnet. Der Name „Carrao“ bezieht sich aber auf den Rallenkranich. (vgl. „Wolters – Die Vogelarten der Erde“ 1982)
    • Nesotrochis steganinos (Haiti, Westindische Inseln)
    • Nesotrochis picapicensis (Kuba, Westindische Inseln)
  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Porpyhrio kukwiedei (Neukaledonien, Melanesien)
    • Porphyrio mcnabi (Huahine, Gesellschaftsinseln)
    • Porphyrio paepae (Hiva Oa und Tahuata, Marquesas)
    • Porphyrio sp. (Buka, Salomonen)
    • Porphyrio sp. (Neuirland, Melanesien)
    •  ?Porphyrio sp. (Mangaia, Cookinseln) – könnte vermutlich auch in die Gattung Pareudiastes gehört haben, eine Umbenennung steht aber noch aus.
    • Porphyrio sp. (Norfolkinsel, Südwestpazifik)
    • Porphyrio sp. (Rota, Marianen)
    • Ibiza-Ralle, Rallus eivissensis (Ibiza, Mittelmeer)
    • Madeira-Ralle, Rallus lowei (Madeira, Makaronesien)
    • Porto-Santo-Ralle, Rallus adolfocaesaris (Porto Santo, Makaronesien)
    • Rallus sp. (von Knochenfunden von Madeira und Porto Santo bekannt).
    • São-Miguel-Ralle, Rallus carvaoensis (São Miguel, Azoren)
    • Pico-Ralle, Rallus montivagorum (Pico, Azoren)
    • São-Jorge-Ralle, Rallus nanus (vormals irrtümlich als Rallus minutus beschrieben, dieser Name ist jedoch präokkupiert und damit ein Junior-Homonym) (São Jorge, Azoren)
    • Rallus sp. (Graciosa, Azoren)
    • Rallus sp. (Terceira, Azoren)
    • Rallus sp. (Santa Maria, Azoren)
    • Lifuka-Ralle, Nesoclopeus sp. (Lifuka, Tonga)
    • Niue-Ralle, Gallirallus huiatua (Niue, Cookinseln)
    • Mangaia-Ralle, Gallirallus ripleyi (Mangaia, Cookinseln)
    • Huahine-Ralle, Gallirallus storrsolsoni (Huahine, Gesellschaftsinseln)
    • Gallirallus vekamatolu (Eua Island, Tonga)
    • Gallirallus pendiculentus (Tinian, Marianen, Westpazifik)
    • Gallirallus pisonii (Aguignan, Marianen, Westpazifik)
    • Gallirallus temptatus (Rota, Marianen, Westpazifik)
    • Gallirallus cf. owstoni (Marianen, Westpazifik)
    • Gallirallus gracilitibia (Ua Huka, Marquesas)
    • Gallirallus epulare (Nuku Hiva, Marquesa)
    • Gallirallus roletti (Tahuata, Marquesas)
    • Gallirallus steadmani (Tubuai, Französisch-Polynesien)
    • Neuirland-Ralle, Gallirallus ernstmayri (Neuirland, Melanesien)
    • Norfolk-Ralle, Gallirallus sp. (Norfolkinsel, Südwestpazifik)
    • Gallirallus sp. (Rapa Iti, Austral-Inseln)
    • Porzana ralphorum (Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Porzana severnsi (Maui, Hawaiʻi)
    • Porzana rua (Mangaia, Cookinseln)
    • Porzana menehune (Molokaʻi, Hawaiʻi)
    • Porzana ziegleri (Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Porzana keplerorum (Maui, Hawaiʻi)
    • Porzana sp. (Osterinsel (Rapa Nui), Südostpazifik)
    • Porzana sp. (Big Island, Hawaiʻi)
    • Porzana sp. (Kauaʻi, Hawaiʻi)
    • Porzana sp. (Huahine, Gesellschaftsinseln)
    • Porzana sp. (Ua Huka, Marquesas)
    • Porzana sp. (Marianas, Westpazifik)
    • Porzana sp. (Maui, Hawaiʻi)
    •  ?Gallinula sp. (Viti Levu, Fidschi)
    • Fulica chathamensis (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
    • Fulica prisca (Neuseeland)
    • Rallus cyanocavi (Abaco, Bahamas)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Barbados-Ralle, Rallidae gen. et sp. indet. (Barbados, Westindische Inseln) – ehemals als Fulica podagrica klassifiziert (partim)
    • Osterinsel-Ralle, Rallidae gen. et sp. indet. (Osterinsel)
    • Fernando-de-Noronha-Ralle, Rallidae gen. et sp. indet. (Fernando de Noronha, Atlantik) – könnte bis in historische Zeiten überlebt haben.

Aptornithidae

  • Aptornis
    • Aptornis otidiformis (Neuseeland, Nordinsel)
    • Aptornis defossor (Neuseeland, Südinsel)

Rhynochetidae – Kagus

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Rhynochetos orarius (Neukaledonien)

Ciconiiformes

Diese Gruppe beinhaltet die Störche, Reiher and Neuweltgeier.

Ardeidae – Reiher

  • Ausgestorbene Arten von noch existierenden Gattungen
    • Ardea bennuides (Vereinigte Arabische Emirate)
    • Eua-Nachtreiher, Nycticorax sp. (’Eua, Tonga)
    • Lifuka-Nachtreiher, Nycticorax sp. (Lifuka, Tonga) – könnte mit der Art von ’Eua identisch sein
    • Niue-Nachtreiher, Nycticorax kalavikai (Niue, Cook-Inseln)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Ardeidae gen. et sp. indet. (Osterinsel, Ostpazifik)

Ciconiidae – Störche

  • Ausgestorbene Arten von noch existierenden Gattungen
    • Ciconia maltha (Kalifornien)
    • Mycteria wetmorei (Kuba)
    • Leptoptilos robustus (Flores)

Threskiornithidae – Ibisse

  • Maui-Nui-Ibisse (Apteribis)
    • Apteribis brevis (Maui, Hawaiʻi-Inseln)
    • Apteribis glenos (Molokaʻi, Hawaiʻi-Inseln)
    • Apteribis sp. (Maui, Hawaiʻi-Inseln)
    • Apteribis sp. (Lānaʻi, Hawaiʻi-Inseln)
  • Xenicibis
    • Xenicibis xympithecus (Jamaika, Westindische Inseln)

Teratornithidae – Teratorns oder Riesengeier

Cathartidae – Neuweltgeier

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Coragyps occidentalis (Südwesten und Westen der USA)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    •  ?Cathartes sp. (Kuba, Westindische Inseln)

Pelecaniformes

Diese Gruppe beinhaltet die modernen Pelikane und Kormorane.

Phalacrocoracidae – Kormorane

Sulidae – Tölpel

  • Ausgestorbene Unterart einer noch existierenden Art
    • Papasula abbotti costelloi (Ua Huka, Marquesas)

Procellariiformes

Diese Gruppe beinhaltet Albatrosse, Sturmvögel und Sturmschwalben.

Procellariidae – Sturmvögel

  • Ausgestorbene Arten von noch existierenden Gattungen
    • Kanarischer Sturmtaucher (Puffinus holeae) (Fuerteventura, Kanarische Inseln und die Atlantikküste der Iberischen Halbinsel)
    • St.-Helena-Sturmtaucher (Puffinus pacificoides) (St. Helena, Südatlantik)
    • Puffinus olsoni (Kanarische Inseln, Ostatlantik)
    • Puffinus spelaeus (Südinsel, Neuseeland)
    • Puffinus sp. (Menorca, Balearen) – könnte eine erloschene Population einer noch existierenden Art sein
    • Kleiner Hawaii-Sturmtaucher (Pterodroma jugabilis) (Oʻahu, Hawaiʻi-Inseln)
    • Pterodroma sp. (El Hierro, Kanarische Inseln) – könnte eine erloschene Population einer noch existierenden Art sein
    • Pterodroma sp. (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
    • Pterodroma sp. (Hendersoninsel, Südpazifik)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Procellariidae sp. (Osterinsel, Ostpazifik) – könnte eine erloschene Population einer noch existierenden Art sein

Sphenisciformes

Spheniscidae – Pinguine

  • †Tasidyptes
  • Ausgestorbene Arten einer noch existieren Gattung
    • Eudyptes sp. (Chatham-Inseln, Südwestpazifik) – könnte möglicherweise bis 1867 überlebt haben

Columbiformes

Columbidae – Tauben

  • Dysmoropelia
    • Dysmoropelia dekarchiskos (St. Helena, Atlantik) – bisher nur von Pleistozänablagerungen bekannt, könnte aber bis zur frühen Besiedelung St. Helenas im 16. Jahrhundert überlebt haben.
  • Natunaornis
    • Natunaornis gigoura (Viti Levu, Fidschi)
  • Bountyphaps
    • Bountyphaps obsoleta (Hendersoninsel, Südpazifik)
  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Columba melitensis (Malta)
    • Huahine-Kuckuckstaube (Macropygia arevarevauupa) (Huahine, Gesellschaftsinseln)
    • Macropygia heana (Marquesas, Pazifik)
    • Puerto-Rico-Taube (Geotrygon larva) (Puerto Rico, Westindische Inseln)
    • Riesenerdtaube (Gallicolumba nui) (Marquesas und Cook-Inseln)
    • Gallicolumba leonpascoi (Hendersoninsel, Südpazifik)
    • Neukaledonische Erdtaube (Gallicolumba longitarsus) (Neukaledonien)
    • Gallicolumba sp. (Huahine, Gesellschaftsinseln) – könnte identisch mit oder Unterart von Gallicolumba nui sein
    • Gallicolumba sp. (Mangaia, Cookinseln) – könnte identisch mit oder Unterart von Gallicolumba nui sein
    • Gallicolumba sp. (Rota, Marianen)
    • Didunculus placopedetes (Tonga, Pazifik)
    • Caloenas canacorum (Neukaledonien, Tonga)
    • Ducula harrisoni (Hendersoninsel, Südpazifik)
    • Ducula lakeba (Lakeba, Fidschi)
    • Ducula david (’Eua, Tonga, und Wallis)
    • Ducula sp. (’Eua, Foa und Lifuka, Tonga) – könnte sich um D. david, D. lakeba oder eine neue unbeschriebene Art handeln.
    • Ducula cf. galeata (Cookinseln) – könnte sich um eine neue unbeschriebene Art handeln.
    • Ducula cf. galeata (Gesellschaftsinseln) – könnte sich um eine neue unbeschriebene Art handeln.
    • Ducula sp. (Viti Levu, Fidschi) – könnte identisch mit D. lakeba gewesen sein.
    • Ducula sp. (Rapa Iti, Austral-Inseln)
    • Ptilinoipus sp. (Tubuai, Austral-Inseln)
    • cf. Zenaida aurita (Bermuda) – könnte identisch mit Zenaida aurita gewesen sein.

Psittaciformes

Strigopidae

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Nestor sp. (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)

Cacatuidae – Kakadus

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Cacatua sp. (Neukaledonien)
    • Cacatua sp. (Neuirland)

Psittacidae – Papageien, Sittiche und Lories

  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Vini sinotoi (Marquesas, Huahine, Pazifik)
    • Vini vidivici (Marquesas, Huahine, Pazifik)
    • Polynesischer Edelpapagei (Eclectus infectus) (Tonga, Vanuatu) – Einer Zeichnung zufolge könnte er bis ins 18. Jahrhundert überlebt haben
    • St.-Croix-Ara, Ara autocthones (St. Croix, Westindische Inseln)
    • Cyanoramphus sp. (Campbell Island, Neuseeland)
    • Cyanoramphus sp. (Rapa Iti, Austral-Inseln)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Psittacidae gen. et sp. indet. 1 (Osterinsel)
    • Psittacidae gen. et sp. indet. 2 (Osterinsel)
    • Psittacidae gen. et sp. indet. (Rota, Marianen)

Cuculiformes

Cuculidae – Kuckucke

  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
  • Ausgestorbene Unterart einer noch existierenden Art
    • Geococcyx californianus conklingi (Südwestliches Nordamerika)

Accipitriformes

Greifvögel

Accipitridae – Habichtartige

  • Gigantohierax
    • Gigantohierax suarezi (Kuba, Westindische Inseln)
  • Titanohierax
    • Titanohierax gloveralleni (Bahamas, Westindische Inseln)
    • Titanohierax sp. (Hispaniola, Westindische Inseln)
  • Harpagornis
    • Haastadler, Harpagornis moorei (Südinsel, Neuseeland) (die jüngsten Knochen werden auf das Jahr 1400 datiert)
  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Accipiter efficax (Neukaledonien)
    • Accipiter quartus (Neukaledonien)
    • Accipiter sp. 1 (Neuirland, Melanesien)
    • Accipiter sp. 2 (Neuirland, Melanesien) – eine der beiden Arten von Neuirland könnte mit dem rezenten Meyerhabicht (Accipiter meyerianus) identisch sein.
    • Madagaskar-Kronenadler Stephanoaetus mahery (Madagaskar)
    • Aquila sp. 1 (Madagaskar)
    • Aquila sp. 2 (Madagaskar)
    • Haliaeetus sp. (Maui, Hawaiʻi-Inseln)
    • Waldweihe (Circus dossenus) (Molokaʻi, Ohaʻu, Hawaiʻi-Inseln)
    • Eyles-Weihe (Circus eylesi) (Neuseeland)
    • Aquila simurgh (Kreta), manchmal auch als Unterart des Steinadlers betrachtet.
    • Aquila nipaloides (Korsika und Sardinien)
    • Gyps melitensis (Malta, Mittelmeer)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Accipitridae gen. et sp. indet. (Kuba, Westindische Inseln) – ehemals Aquila/Titanohierax borrasi

Falconiformes

Falkenartige

Falconidae – Falken i.w.S und Karakaras

  • Ausgestorbene Arten noch existierender Gattungen
    • Falco kurochkini (Kuba, Westindische Inseln)
    • Caracara creightoni (Bahamas und Kuba, Westindische Inseln) – könnte mit P. latebrosus identisch sein
    • Puerto-Rico-Karakara (Caracara latebrosus) (Puerto Rico, Westindische Inseln)
    • Jamaika-Karakara (Caracara tellustris) (Jamaika, Westindische Inseln)
    • Phalcoboenus sp. (Falklandinseln)

Caprimulgiformes

Schwalmartige

Aegothelidae – Höhlenschwalme

Caprimulgidae – Nachtschwalben oder Ziegenmelker

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Siphonorhis daiquiri (Kuba, Westindische Inseln) – Erzählungen von Einheimischen zufolge könnte es noch Ziegenmelker auf Kuba geben.

Apodiformes

Apodidae – Segler

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Mangaia-Salangane (Collocalia manuoi) (Mangaia, Cookinseln) – gehört vermutlich in die Gattung Aerodramus

Coraciiformes

Rackenvögel und Verwandte

Bucerotidae – Nashornvögel

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Aceros sp. (Lifou, Loyalitätsinseln)

Brachypteraciidae – Erdracken

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung

Piciformes

Spechtvögel

Picidae – Spechte

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Colaptes sp. (Bermuda)

Strigiformes

Eulen und Schleiereulen

Strigidae – Eigentliche Eulen

  • Grallistrix
  • Ornimegalonyx
    • Ornimegalonyx oteroi (Kuba, Westindische Inseln)
    • Ornimegalonyx minor (Kuba, Westindische Inseln)
    • Ornimegalonyx gigas (Kuba, Westindische Inseln)
    • Ornimegalonyx acevedoi (Kuba, Westindische Inseln)
  • Ausgestorbene Arten von noch existierenden Gattungen
    • Aegolius gradyi (Bermuda)
    • Athene cretensis (Kreta, Mittelmeer)
    • Asio priscus (San Miguel Island, Channel Islands)
    • Athene sp. (Puerto Rico, Karibik)
    • Athene sp. (Euböa, Mittelmeer)
    • Ninox cf. novaeseelandiae (Neukaledonien) – könnte sich um eine Population des Neuseeland-Kuckuckskauzes handeln.
    • Madeira-Zwergohreule (Otus mauli)
    • Porto-Santo-Zwergohreule (Otus cf. Otus mauli)
    • Azoren-Zwergohreule (Otus frutuosoi)

Tytonidae – Schleiereulen

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Puerto-Rico-Schleiereule Tyto cavatica (Puerto Rico, Westindische Inseln)
    • Tyto? letocarti (Neukaledonien)
    • Tyto melitensis (Malta, Mittelmeer)
    • Tyto noeli (Kuba, Westindische Inseln, Barbuda) (Tyto neddi ist ein Synonym)
    • Tyto cravesae (Kuba, Westindische Inseln)
    • Tyto ostologa (Hispaniola, Westindische Inseln) (könnte nach Ansicht von Alexander Wetmore bis ins 18. Jahrhundert überlebt haben).
    • Tyto pollens (Andros, Bahamas, Kuba, Westindische Inseln) (Tyto riveroi ist ein Synonym)
    • Tyto cf. novaehollandiae (Mussau, Melanesien)
    • Tyto cf. novaehollandiae (Neuirland, Melanesien)
    • Tyto sp. (Neuirland, Melanesien)

Passeriformes

Sperlingsvögel

Acanthisittidae

Maorischlüpfer

  • Pachyplichas
    • Pachyplichas yaldwyni (Nordinsel, Neuseeland)
    • Pachyplichas jagmi (Südinsel, Neuseeland) (Könnte Unterart von yaldwini sein)
  • Dendroscansor
    • Dendroscansor decurvirostris (Südinsel, Neuseeland)

Mohoidae

  • Prähistorisch ausgestorbene Arten einer neuzeitlich ausgestorbenen Gattung
    • Chaetoptila cf. angustipluma (Oʻahu und Maui, Hawaiʻi-Inseln)
    •  ?Chaetoptila sp. (Maui, Hawaiʻi-Inseln)

Corvidae

Rabenvögel

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Chatham-Rabe (Corvus moriorum) (Chatham-Inseln, Südwestpazifik)
    • Corvus impluviatus (Oʻahu, Hawaii-Inseln)
    • Maorikrähe oder Neuseelandkrähe (Corvus antipodum) (Neuseeland)
    • Corvus antipodum antipodum (Nordinsel, Neuseeland)
    • Corvus antipodum pycrafti (Südinsel, Neuseeland)
    • Corvus viriosus (Oʻahu und Molokaʻi, Hawaii-Inseln)
    • Corvus sp. (Nord Kona Distrikt, Hawaiʻi, Hawaii-Inseln)
    • Corvus sp. (Neuirland, Melanesien)
    • Puerto-Rico-Krähe Corvus pumilis (Puerto Rico und St. Croix, Westindische Inseln)

Sturnidae

Stare

  • Cryptopsar
  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Huahine-Star (Aplonis diluvialis) (Huahine, Gesellschaftsinseln)
    • Erromango-Star (Aplonis sp.) (Erromango, Vanuatu)

Turdidae

Drosseln

Sylviidae

Grasmückenartige

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Eua-Buschsänger, Cettia sp. (’Eua, Tonga)

Zosteropidae

Brillenvögel

Fringillidae

Finken

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Trias-Grünfink (Carduelis triasi) (La Palma, Kanarische Inseln)
    • Carduelis aurelioi (Teneriffa, Kanarische Inseln)
    • aff. Carduelis sp. (Madeira)

Kleidervögel

  • Orthiospiza
    • Orthiospiza howarthi (Maui, Hawaiʻi)
  • Xestospiza
    • Xestospiza conica (Kauaʻi und Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Xestospiza fastigialis (Oʻahu, Maui und Molokaʻi, Hawaiʻi)
  • Vangulifer
    • Vangulifer mirandus (Maui, Hawaiʻi)
    • Vangulifer neophasis (Maui, Hawaiʻi)
  • Aidemedia
    • Aidemedia chascax (Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Aidemedia zanclops (Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Aidemedia lutetiae (Maui und Molokaʻi, Hawaii)
  • prähistorisch ausgestorbene Arten von noch existierenden oder kürzlich ausgestorbenen Gattungen
    • Telespiza persecutrix (Kauaʻi und Oʻahu, Hawaiʻi)
    • Telespiza ypsilon (Maui und Molokaʻi, Hawaiʻi)
    • Telespiza aff. ypsilon (Maui)
    • Rhodacanthis forfex (Kauaʻi und Maui, Hawaii)
    • Rhodacanthis litotes (Oʻahu und Maui, Hawaii)
    • Chloridops wahi (Oʻahu und Maui, Hawaii)
    • Chloridops regiskongi (Oʻahu, Hawaii)
    • Hemignathus vorpalis (Big Island, Hawaiʻi)
    • Hemignathus upupirostris (Kauaʻi und Oʻahu)
    • Ciridops tenax (Kauaʻi, Hawaiʻi)
    • Ciridops cf. anna (Molokaʻi-Unterart des Kohala-Kleidervogels, Hawaiʻi)
    • Ciridops sp. (Oʻahu-Unterart des Kohala-Kleidervogels, Hawaiʻi)
  • Incertae sedisUngesicherte Zuordnung
    • Drepanididae gen. et sp. indet. (Maui, Hawaiʻi) – mindestens drei Arten
    • Drepanididae gen. et sp. indet. (Oʻahu, Hawaiʻi)

Emberizidae

Ammern

  • Pedinorhis
    • Pedinorhis stirpsarcana (Puerto Rico, Westindische Inseln)
  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung

Hirundinidae

Schwalben

  • Ausgestorbene Unterarten von noch existierenden Arten
    • Hirundo tahitensis ssp. nov. (Hendersoninsel, Südpazifik)

Estrildidae

Prachtfinken

  • Ausgestorbene Arten einer noch existierenden Gattung
    • Erythrura sp. (Rota, Marianen)

Siehe auch

Literatur

  • David William Steadman: Extinction and Biogeography of Tropical Pacific Birds. University of Chicago Press, 2006, ISBN 0-226-77142-3.
  • Jean Christophe Balouet, Storrs L. Olson: Fossil birds from late Quaternary deposits in New Caledonia. In: Smithsonian contributions to zoology. Nr. 469, Smithsonian Institution Press, Washington, D.C. 1989.
  • S.M. Goodman, B.D. Patterson: Natural Change and Human Impact in Madagascar. Smithsonian Institution Press, Washington/London 1997, ISBN 1-56098-683-2.
  • Josep del Hoyo, Andrew Elliott, David Christie: Handbook of the Birds of the World Volume 12 Picathartes to Tits and Chickadees. Lynx Edicions, 2007, ISBN 978-84-96553-42-2.
  • Samuel T. Turvey (Hrsg.): Holocene Extinctions. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-953509-5.
  • Michael Walters & Julian Pender Hume: Extinct Birds. Poiser Monographes (A & C Black), 2012. ISBN 978-140-815-725-1

Einzelnachweise

  1. Tim Flannery: Wir Wettermacher. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-10-021109-X.
  2. Ted Oakes, Amanda Kear: Menschen gegen Monster. vgs-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-8025-1560-9.

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Bürgi-Dunitz-Trajektorie – Wikipedia

Bürgi-Dunitz-Trajektorie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Veranschaulichung des Bürgi-Dunitz-Winkels beim Angriff eines Nucleophils an eine Carbonylbindung

Die Bürgi-Dunitz-Trajektorie (auch Bürgi-Dunitz-Winkel; benannt nach Hans Beat Bürgi und Jack D. Dunitz) beschreibt den Angriffswinkel eines Nukleophils auf eine elektrophile Carbonylgruppe, dieser beträgt etwa 107°. Dabei wird simultan die π-Bindung zwischen Kohlenstoff und Sauerstoff gelöst, während sich stattdessen eine σ-Bindung zwischen dem Kohlenstoff und dem Nukleophil ausbildet.

Nach der Molekülorbitaltheorie muss dabei eine Überlappung des höchsten besetzten Molekülorbitals (Highest Occupied Molecular Orbital) HOMO des Nukleophils, häufig ein freies Elektronenpaar, mit dem niedrigsten unbesetzten Molekülorbital (LowestUnoccupied Molecular Orbital) LUMO des Elektrophils, in diesem Fall die π*-Bindung der Carbonylfunktion (das antibindende Orbital der C-O-Doppelbindung), erfolgen. Das Nukleophil greift linear an, das heißt, der Angriffswinkel hängt vom Elektrophilab. Die Doppelbindung der Carbonylgruppe setzt sich aus einer σ-Bindung und einer energetisch höher liegende π-Bindung zusammen (siehe Bild), dabei ist hier nur die π-Bindung bedeutsam. Je höher das Energieniveau eines bindenden Molekülorbitals ist, desto niedriger ist das Energieniveau des dazugehörigen Antibindenden Molekülorbitals, deshalb erfolgt der Angriff an der π-Bindung, das antibindende π* ist also das LUMO.

Da Sauerstoff elektronegativer als Kohlenstoff ist, ist sein bindendes π-Orbital größer als das des Kohlenstoffs. Aus Symmetriegründen verhält es sich bei den antibindenden Orbitalen genau umgekehrt. Somit hat das π*-Orbital (das LUMO) am Kohlenstoff den größten Koeffizienten, der Angriff des HOMOs des Nukleophils erfolgt dort.

Die p-Orbitale, die die π*-Bindung bilden, liegen senkrecht auf der Ebene der C=O-Funktion. Der optimale Angriffswinkel für das Nukleophil wäre daher 90° zur Ebene der Carbonylbindung, da dann dessen LUMO und das HOMO des Nukleophils optimal überlappen würden. Da der Sauerstoff jedoch zwei freie Elektronenpaare und eine wesentlich höhere Elektronegativität als Kohlenstoff besitzt, ist am Sauerstoff die Elektronendichte am größten, das ein freies Elektronenpaar tragende Nukleophil wird daher vom Sauerstoff abgestoßen.

Der Winkel von 107° und die Bürgi-Dunitz-Trajektorie ist daher ein Kompromiss aus dem Winkel für die optimal mögliche Überlappung von HOMO und LUMO (90°) und der abstoßenden Coulombkraft zwischen der hohen Elektronendichte am Sauerstoff und dem HOMO des Nukleophils.

Literatur

  • H. B. Bürgi, J. D. Dunitz, E. Shefter: In „Geometrical Reaction Coordinates. II. Nucleophilic Addition to a Carbonyl Group“. J. Am. Chem. Soc. 95. 1973, 5065–5067.
  • H. B. Bürgi, J. D. Dunitz, J. M. Lehn, G. Wipff: In „Stereochemistry of reaction paths at carbonyl centres“. Tetrahedron 30. 1974, 1563–1572. doi:10.1016/S0040-4020(01)90678-7

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Spannungstrajektorien – Wikipedia

Spannungstrajektorien

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sichtbare Spannungstrajektorien durch spannungsoptische Linien im polarisierten Licht sichtbar gemacht

Trabekel im Verlauf der Spannungtrajektorien am Anschliffpräparat eines nur noch aus mineralischen Bestandteilen bestehenden Oberschenkelknochens (Oberschenkelkopf und -hals)

Die Spannungstrajektorien (Einzahl: Spannungstrajektorie) sind Begriffe der Balkentheorie und geben als Vektoren die Richtung der Hauptspannungen innerhalb eines von Kräften belasteten Festkörpers an. Diese Hauptspannungen weichen in ihrer Richtung vor allem im Bereich der unmittelbaren Krafteinwirkung von den theoretisch ermittelten Werten ab und zergliedern sich in Zugspannungen sowie in darauf rechtwinkelig stehende Druckspannungen. Die Spannungstrajektorien stellen einen optimalen Verlauf der Zug- und Druckglieder dar, da in der von ihnen bestimmten Richtung sämtliche Schubspannungen fehlen.

Ermittelt werden die Spannungstrajektorien in erster Linie mit der Methode der finiten Elemente sowie mit Hilfe der Spannungsoptik. Ein prominentes Beispiel für die Darstellung von Spannungtrajektorien bilden die Röhrenknochen von Wirbeltieren: Während der Schaftquerschnitt des Knochens entsprechend der Balkentheorie im Sinne eines optimalen Flächenträgheitsmomentes geformt ist, bilden die Spongiosa in der Nähe der Gelenke die Spannungstrajektoren ab für eine Vielzahl von Lastfällen.

Ein weiterer Fall des Auftretens von Spannungstrajektorien findet sich bei der Oberfläche einer dünnwandigen Kugel. Bei einer Belastung der Kugel durch eine Druckkraft wird die Kraft entlang der Meridiane in eine Druckspannung zerlegt, während entlang der Breitenkreise die im rechten Winkel anstehenden Zugspannungen auftreten. Der Effekt tritt auch bei den hartschaligen Eiern der Vögel auf, sofern die Druckkraft auf die Spitze des Eis sowie an seinem stumpfen Ende wirkt. Die Spannungstrajektorien liefern somit die physikalische Erklärung für das Phänomen, dass ein rohes Hühnerei nicht zerplatzt, wenn man es zwischen diesen beiden Stellen mit Daumen und Zeigefinger zusammendrückt.

Literatur

  • Klaus Wunderlich, Wolfgang Gloede: Natur als Konstrukteur, Edition Leipzig 1977, Seite 16 und 17
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Trajektorie (Sozialwissenschaften) – Wikipedia

Trajektorie (Sozialwissenschaften)

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Trajektorie heißt ein gesellschaftlicher, historischer, wirtschaftlicher, ökologischer oder technologischer Entwicklungsverlauf, der zwar durch bestimmte Rahmenbedingungen ermöglicht bzw. vorgezeichnet, aber doch teilweise zukunftsoffen im Sinne einer Trichterbildung – d.h. eines sich allmählich oder plötzlich öffnenden Optionsraums – ist. Der Verlauf kann auf kurze Sicht recht genau vorhergesagt werden; auf längere Sicht verringert sich die Prognosesicherheit erheblich. Die den Verlauf ermöglichenden oder bestimmenden Rahmenbedingungen können mehr oder weniger „hart“ (z. B. Rohstoffmangel) oder „weich“ sein (z. B. in Form technischer Paradigmen und ingenieurwissenschaftlicher Leitbilder).

Von Trajektorien spricht man sowohl bei kontinuierlichen, inkrementalen gesellschaftlichen Evolutionsprozessen (z. B. bei Wachstumskurven) als auch bei diskontinuierlichen Übergängen von einem gesellschaftlichen Zustand oder Paradigma zu einem anderen (z. B. von Gesellschaften der Jäger und Sammler zu Ackerbauer- oder Hirtennomadengesellschaften oder von einem raschen Wirtschaftswachstum zum Nullwachstum), der jedoch aus der Summe der inkrementalen Änderungen folgt. Für solche im Verlauf diskontinuierlichen Prozesse wird auch der Begriff der Transition benutzt.

In der Biologie und Ökologie bezeichnen Traktorien bestimmte Pfade der Entwicklung von Arten und Anpassungsformen ausgehend von einer bestimmten Ausgangslage und in Auseinandersetzung mit dem Selektionsdruck ihrer Umwelt.[1] In systemtheoretischer Perspektive sind Trajektorien Formen „dynamischer Stabilität“, die Francisco Varela für Kennzeichen autopoietischer Systeme (selbstorganisierender Systeme) hält. Sie zeichnen sich durch organisatorischer Schließung und Erhalt der Kohärenz der wichtigsten Systemvariablen aus – und zwar auch im Kontakt mit anderen Systemen und störenden Umwelteinflüssen.[2] Diese Definition kann auch für andere als biologische Trajektorien gelten.

Besondere Formen

Die Resultate der Entwicklung einer Trajektorie können autokatalytisch, d.h. verstärkend und beschleunigend auf die weitere Entwicklung wirken. So wirkten die im Kohlebergbau und -transport im frühen 19. Jahrhundert eingesetzten Technologien wie Pumpen, Dampfmaschinen, Stahlerzeugung für Gleise und Waggons, verstärkend auf die gesamte industrielle Entwicklung und erhöhten ihrerseits den Verbrauch fossiler Energien immer weiter.[3]

Von Pfadabhängigkeit sprechen wird, wenn die zukünftigen Entwicklungsoptionen evolutionärer Prozesse durch deren bisherige Resultate (z. B. durch hohe Investitionen in bestimmte Formen der Energieerzeugung) eingeschränkt oder vorgegeben werden; das bedeutet, dass sich der Trichter der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten verengt oder dass bestimmte Entwicklungen irreversibel werden.

Trajektorien der Technikentwicklung

Trajektorien in der Technikentwicklung werden oft im Sinne der Darwinschen Theorie als Abfolge einer zunächst vergrößerten Variation auf Basis eines Paradigmas und einer darauf folgenden Selektion von geeigneten Lösungen gedeutet, die zu Entwicklungsabbrüchen und Diskontinuitäten bzw. neuen Paradigmen führt.[4] Als technological frontier wird das höchste Technikniveau bezeichnet, das auf einer Trajektorie errichtet wurde.

Trajektorien in der Karriereberatung

Trajektorien nennt man auch Karrierepfade, die durch bestimmte „Ermöglichungskontexte“ eröffnet werden.[5]

Trajektorien in der Einstellungsforschung

Auch allmähliche individuelle Einstellungsänderungen z. B. im Laufe von Sozialisationsprozessen werden gelegentlich mit dem Begriff der Trajektorie belegt.[6]

Einzelnachweise

  1. b2science.org über Trajektorien der Biosphäre
  2. F. J. Varela: Autonomy and Autopoiesis, in: G. Roth, H. Schwegler (Hrsg.): Self-organizing Systems, Frankfurt 1981, S. 14-23; hier: S. 19.
  3. Joel Mokyr (Hg.): The Economics of the Industrial Revolution, Totowa, NJ: Rowman & Allanheld 1985, ISBN 9780865981546.
  4. R. R. Nelson, S. G. Winter: An Evolutionary Theory of Economic Change. Cambridge MA: Belknap Press 1982; siehe auch Rainer Walz: Kommentare zum Paper Co-evolution, online: ISI Fraunhofer-Institut (PDF)
  5. Forschungsteam Trajektorien im akademischen Feld
  6. Dieter Urban: Längsschnittanalysen mit latenten Wachstumskurvenmodellen in der politischen Sozialisationsforschung. Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart 2002, online: [1] (PDF)
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Trajektorie (Physik) – Wikipedia

Trajektorie (Physik)

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Der physikalische Begriff Trajektorie (auch: Bahnkurve, oder Pfad) bezeichnet eine Raumkurve, entlang der sich ein Punkt – z. B. der Schwerpunkt eines starren Körpers – bewegt. Die Wegstrecke entlang der Trajektorie hat meist das Formelzeichen s (von lat. spatium: „Weg“, „Zwischenraum“).

Die Untersuchung der Trajektorie als zeitabhängigem Verlauf des Ortes in einem Bezugssystem ist Gebiet der Dynamik und Kinematik. Die reine Beschreibung der Bewegung wird als Kinematik bezeichnet.

Grundlagen

Im engeren Sinne handelt es sich um den Verlauf eines dynamischen Systems im Phasenraum. Zu den bekanntesten Trajektoriendarstellungen gehören die Bilder seltsamer Attraktoren, die einen Eindruck von deterministischem Chaos geben, bspw. des Lorenz-Attraktors. Eine Trajektorie im 3-dimensionalen Raum \R^3 kann mathematisch in Parameterdarstellung durch den Ortsvektor \vec r(s) beschrieben werden. Die möglichen Ursachen von Änderungen des Bewegungszustandes werden in der Mechanik behandelt: Ein massebehafteter Körper bewegt sich nach den Newtonschen Gesetzen. Kann die auf den Körper einwirkende Gesamtkraft durch ein Kraftfeld modelliert werden, so bezeichnet man die resultierende Trajektorie auch als Flugbahn.

Beispiele von Trajektorien

Unterschiedliche Flugbahnen bei einem schiefen Wurf ohne jegliche Reibung (Schwarz), mit Stokes-Reibung (Blau) oder mit Newton-Reibung (Grün)
  • Die Flugbahn einer vom Boden aus abgeschossenen Kanonenkugel oder einer ballistischen Rakete nennt man ballistische Kurve.
  • Die Trajektorie eines natürlichen oder künstlichen Himmelskörpers im Schwerefeld eines Zentralkörpers oder im freien Weltraum verläuft auf einer Keplerbahn. Bei geschlossenen Bahnen im Sonnensystem oder in derGalaxis spricht man eher von Umlaufbahn.
  • Aufgrund des Trägheitsgesetzes verläuft die Trajektorie eines Körpers gerade, wenn auf ihn keine Kraft wirkt beziehungsweise ein Kräftegleichgewicht vorliegt.
  • Im Straßenbau wird der Übergang zwischen Gerade und Kreis in Form einer Klothoide ausgeführt.
  • Im Rennsport ist die Ideallinie die Trajektorie eines fahrzeugfesten Punkts, auf der ein Streckenabschnitt mit der größten Geschwindigkeit befahren werden kann.
  • Das bohrsche Atommodell beschreibt die Flugbahn der Elektronen um den Atomkern als geschlossene Kreisbahnen.
  • Die Meteorologie kennt die Trajektorie eines (hypothetischen) Luftpartikels. Es wird zwischen Rückwärts- und Vorwärtstrajektorien unterschieden. Erstere geben an, woher die Luft gekommen ist, letztere, wohin sie sich bewegt. Von der Trajektorie ist die Stromlinie zu unterscheiden; nur in einer stationären Strömung fallen Trajektorien und Stromlinien zusammen.
  • In der Objektverfolgung wird eine Trajektorie dargestellt als eine Zeitsequenz von Koordinaten, welche den Bewegungspfad eines Objektes während der Laufzeit darstellt.
  • In der technischen Chemie werden Trajektorien zur Beschreibung des dynamischen Verhaltens einer chemischen Reaktion verwendet. Dazu werden in der so genannten Zustands- oder Phasenebene, bei der die augenblickliche Konzentration \!\ c (t) über der Temperatur \!\ T (t) aufgetragen werden, genutzt. Die Trajektorien zeigen dann die gleichzeitige Veränderung von Konzentration und Temperatur während eines Übergangsvorganges. Entlang der Trajektorie verläuft die Zeit.[1] Dabei können die Graphen z. B. (abhängig von den Startbedingungen und natürlich weiteren Variablen) eine spiralförmige Form aufweisen.

Praktische Bestimmung von Trajektorien

Bei sichtbaren Objekten kann die Trajektorie meist mit fotografischen Mitteln ermittelt werden, wie zum Beispiel mit Photogrammetrie.

Die Trajektorie eines atomaren oder subatomaren Teilchens gibt es nur als anschauliche Hilfsvorstellung, da diese Teilchen durch die Quantenmechanik beschrieben werden müssen. Näherungsweise lassen sich solche Teilchenbahnen in Hodoskopen, Blasen-, Nebel- oder Drahtkammern sichtbar machen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Manfred Baerns, Arno Behr, Axel Brehm, Jürgen Gmehling, Hanns Hofmann, Ulfert Onken: Technische Chemie. Wiley-VCH, 2006, ISBN 3-527-31000-2, S. 158.
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